Ernährung


Der Mensch ist, was er isst...

In einem gesunden Körper ruht ein gesunder Geist, - das wussten schon die alten Römer. Doch ohne Wartungsprogramm kommt heute angesichts zahlloser Zivilisations-
krankheiten kaum noch jemand aus. Eine wesentliche Rolle bei der Entstehung, Verhütung und Heilung von Erkrankungen spielen die Ernährung und das individuelle Bewegungsverhalten.

Von Beate Cotok

Die Krankenversicherer erhöhen die Beiträge, Kosten für alternativmedizinische Heilverfahren werden nur bedingt oder gar nicht übernommen, der Trend geht zu Billigarzneien und Ärzte verweisen auf Info-Schildern in Wartezimmern mit Bedauern auf Sparmaßnahmen. Da bleibt dem „gemeinen Patienten“ nur noch die Wahl zwischen einem seufzendem Achselzucken oder dem Schritt zur Eigeninitiative.

Die Qual der Wahl

„Wer sich keine Zeit für die Gesundheit nimmt, muss sich Zeit für die Krankheit nehmen“, sagte der Amerikaner Edgar Cayce, der vielen Menschen durch individuell abgestimmte Therapien zur Heilung verholfen hat. Er betonte hierbei stets die besondere Bedeutung richtiger Ernährung und ausreichender Bewegung für die Assimilations- und Ausscheidungsvorgänge des Körpers. Unter Assimilation wird das körpereigene Potential zur Verwertung von Nahrung verstanden. Sind Aufnahme- und Ausscheidungsmechanismen intakt, kann sich ein Organismus gegenüber Krankheitserregern zur Wehr setzen oder, im Falle einer Infektion, schneller regene-
rieren. Auch andere legendäre Heiler wiesen immer wieder mit Nachdruck auf die Wichtigkeit von Ernährung und Bewegung in Heilungsprozessen hin. So beschrieb Dr. John H. Tilden bereits Anfang des 20. Jahrhunderts seine Theorie, die Ursache nahezu aller Krankheiten sei auf Toxämie (Vergiftungen) zurückzuführen und die mangelnde Kapazität des Körpers, Gifte auszuscheiden. Das Potential des Körpers, mit Giften umzugehen, seine Selbstheilungskraft, hängt wiederum wesentlich von der Qualität der Ernährung und der Lebensgewohnheiten ab.

Die Regenbogenpresse ist voll mit Diätempfehlungen und suggeriert den Lesern, vornehmlich den Leserinnen, dass einige Wochen „Idealdiät“ ausreichen, um ein paar Pfunde loszuwerden und fit zu sein. So einfach verhält es sich allerdings meistens nicht. Der Mensch ist ein Individuum und die „eine Diät für alle“ gibt es nicht. Was dem einen seine „Fünf Elemente“ in der Ernährung sind, ist dem anderen seine Trennkost. Der eine mag auf Fleisch nicht verzichten, der andere nimmt schon beim Anblick einer Dönerbude reißaus. Manche können essen, was sie wollen, bei anderen rächt sich jede kleine „Sünde“ in Form von einem zusätzlichen Rettungs-
ring. Wer´s nicht allzu dogmatisch möchte, aber dennoch bewusst leben will, dem ist damit gedient, ein gesundes Mittelmaß zu finden.

Sauer macht nicht immer lustig

Einig sind sich die meisten Ernährungsapostel darin, eine überwiegend basische Ernährung anzustreben. Fastfood, Süßes, Kaffee, Schwarztee, Weißmehlprodukte, Alkohol und zu viele Produkte tierischer Herkunft sorgen für eine Übersäuerung des Körpers. In der Wortwahl „ich bin sauer“ verbirgt sich daher oft mehr als ein vorübergehender Gemütszustand. Menschen, die häufig „total sauer“ sind oder alles „ätzend“ finden, drücken damit zumeist tatsächlich aus, was und wie sie sind, denn unser emotionales Empfinden ist in der heutigen Zeit „sauer“ geworden. Ob hier zuerst die Henne oder das Ei da war, also zuerst der Körper durch falsche Ernährung sauer wurde oder das Gemüt durch zu viel Frust, spielt keine Rolle. Hippokrates wusste bereits 400 Jahre vor Ch.: „Von allen Zusammensetzungen unserer Körpersäfte wirkt sich die Säure zweifellos am schädlichsten aus!“

Ein Teil der Säuren wird durch Basen neutralisiert. Das ist gerade noch aus dem Chemie-
unterricht hängen geblieben. Werden dem Körper allerdings zu wenig basische Mineralstoffe wie Eisen, Kalium, Calcium, Magnesium und Natrium zur Verfügung gestellt, zieht der Organismus diese Elemente aus Knochen und Zähnen ab, um die Säure zu neutralisieren. Osteoporose, Rheuma und Parodontose sind nur einige der dadurch entstehenden Erkrankungen.

Basen müssen dem Körper stets von außen zugeführt werden. Säuren produziert der Körper aufgrund falscher Ernährungsgewohnheiten selbst. Stoffwechselabbauprodukte lagern sich als Schlacken ab und werden so zur Ursache mancher Stoffwechselerkrankungen, die in unseren Zeiten nicht nur Menschen ab siebzig heimsuchen.

Der Darm

„Der Tod sitzt im Darm.“ Waren es auch die Römer, die diesen Satz prägten? Egal. Tatsache ist allerdings, dass sich unser Immunsystem zu etwa 70% im Darm befindet. Hier werden im Optimalfall Nährstoffe resorbiert und Gifte ausgeschieden. Ist der Darm wegen zu einseitiger und falscher Ernährung voller Ablagerungen, werden leider kaum noch Nährstoffe aufgenommen, dafür aber mehr Gifte angereichert. Ein Teufelkreis. Über ein intaktes Darmmilieu verfügen immer weniger Menschen in den Industrienationen. In einem gesunden Verdauungsapparat gelangen Rückstände der verdauten Nahrung vom Dünndarm aus in den Dickdarm (Kolon). Durch Muskel-
kontraktionen (Peristaltik) längst des Dickdarms wird der Darminhalt in Richtung Mastdarm (Rektum) transportiert. Dabei wird dem Darminhalt durch die Dickdarmwände Feuchtigkeit entzogen und Abfallprodukte aus dem Körper werden wiederum der Ausscheidung zugeführt.
Je länger der Darminhalt im Kolon verbleibt, desto mehr Feuchtigkeit wird ihm entzogen. Eine trockene und gepresste Substanz entsteht. Bei sehr säurehaltiger Ernährung hat der Darminhalt die Eigenschaft, zäh und klebrig zu werden. Er verweilt somit länger im Dickdarm und verkleistert die Dickdarmwände langsam aber sicher, indem sich Schicht an Schicht dort festsetzt. Mit der Zeit bildet sich dort eine gummiartige, schwarze Substanz, die bei normalem Stuhlgang nicht mehr ausgeschieden wird.

Nebenbei bemerkt: Bei der Obduktion von Elvis Presley sollen etwa 40 kg (die „Null“ ist kein Druckfehler!) versteinerte Sch.... zum Vorschein gekommen sein. „Love me tender...“ könnte der Hilferuf seines Dickdarms gewesen sein. Dort leben nämlich im besten Fall etwa 400 verschiedene Mikroorganismen. Sie wandeln all das, was ihnen in die Quere kommt, in körpereigene Substanzen um. Realistisch ist bei den Bewohnern der modernen Welt jedoch eine stark reduzierte „Artenvielfalt“ in den Eingeweiden. Der schnelle Griff zu Antibiotika, der Hamburger zwischendurch und kübelweise Kaffee, der ständige Blick auf die Uhr, - da ist der Mensch irgendwann richtig (d)arm dran. Auf dem Gesundheitsmarkt werden mittlerweile für teures Geld Kräuter- , Enzym- und andere Präparate angeboten, um einem gestörten Darmmilieu wieder auf die Sprünge zu helfen. Eine Molke-, Brottrunk- oder Sauerkrautsaftkur kann alternativ oder ergänzend dazu auch sehr unterstützend wirken. Dauerhaft regeneriert sich ein krankes Darmmilieu jedoch nur durch konsequente Ernährungsumstellung. Wer auf basische Ernährung umsteigen möchte, tut gut daran, oben erwähnte „Nahrungsmittel“ zu reduzieren und öfter frisches Gemüse, Salate, Obst, Getreide und Keimlinge auf den Einkaufszettel zu schreiben. Fertignahrung aus der Mikrowelle ist zwar verführerisch einfach, verfügt jedoch über praktisch keine Vitalstoffe mehr. Der Bezeichnung „Lebensmittel“, also „Mittel zum Leben“ werden die meisten der von der Industrie angebotenen Fertigmenues kaum noch gerecht. „Ihr werdet vor vollen Tellern sitzen und dennoch nicht satt werden!“ ist eine der prophetischen Aussagen eines weisen Indianers vom Stamm der Cree. Vielleicht meinte er damit die Ernährungssituation der heutigen Zeit.

Durstlöscher in der Pause sollte weniger die „Tass Kaff“ sein, sondern stilles Mineralwasser oder ein ungesüsster Kräutertee. Das mag im Einzelfall ein wenig gewöhnungsbedürftig sein, aber mit etwas gutem Willen und der Entscheidung, bewusster zu leben, klappt es schon....

Der gesamte Artikel umfasste ca. 8.500 Zeichen und erschien im MIX (Bremen) im Januar 2003


Zucker, - die süße Versuchung mit Folgen

Inzwischen hat es sich herumgesprochen: Zucker ist schlecht für die Zähne und Zucker macht dick. Was viele aber noch nicht wissen ist, dass Zucker auch die Resorbtion von wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen hemmt. Und dennoch: Immer noch stehen verführerisch Süßigkeiten in kindattraktiver Position in den Supermärkten, suggeriert die Werbung, dass Bonbons den Vitaminbedarf von Kindern decken und füllen Joghurts die Kühlregale, deren Inhaltsstoffe neben künstlichen Aromen einen hohen Zucker-
gehalt aufweisen. Auch in der Tagespflege sind Situationen nicht selten, in denen es zu Konflikten kommt. Gerade dann, wenn auffällt, dass Kinder zu Hause zu sehr auf „süß“ programmiert wurden, sind Tageseltern in Bezug auf das richtige Ernährungsverhalten oft verunsichert.

Von Beate Cotok

Kohlenhydrate zählen mengenmäßig zu den wichtigsten Nährstoffen für den menschlichen Organismus. Unter der Bezeichnung „Kohlenhydrate“ werden eine Vielzahl organischer Verbindungen zusammengefasst. Sie verdanken ihren Namen den Elementen „Kohlenstoff“
und „Wasser“. Kohlenhydrate sind aber nicht gleich Kohlenhydrate. Wird zu reichlich Zucker verzehrt und zu wenig ballaststoffreichere Kohlenhydrate wie Gemüse, Obst und Vollkorn-
produkte, können sich Stoffwechselverschiebungen bis hin zu chronischen Leiden einstellen. Typische Krankheiten, die aus einer falschen Kohlenhydratdeckung resultieren, sind an erster Stelle Karies, Darmträgheit, Übersäuerung und Diabetes mellitus. Der Organismus benötigt zur Zuckerverdauung Vitamine, hauptsächlich jene der B-Gruppen. Überhöhter Zuckerkonsum geht daher oft mit Vitaminmangelerscheinungen einher. Zucker gilt überdies als Calcium-Räuber, was Auswirkungen auf das Knochenwachstum haben kann.

Der heute gängige weiße Zucker wird größtenteils aus Zuckerrüben gewonnen, die nach dem Waschen zerkleinert und ausgelaugt werden. Im Laufe des Prozesses von der Rübe bis zum raffinierten Fabrikzucker kommt der Rohstoff mit verschiedenen Chemikalien wie Ätzkalk und schwefliger Säure in Berührung. Das Endprodukt ist dann der uns allen bekannte weiße Zucker.

Zucker als Hauptursache für schlechte Zähne

Der Zustand der Zähne unserer Kinder ist bedenklich. Zucker wird als wesentlicher Faktor für die erschreckend schlechte Situation der kindlichen Gebisse verantwortlich gemacht. Im Rahmen von Aufklärungskampagnen in Schulen wird Zahnkaries häufig als Fluormangelkrankheit bezeichnet. Tatsächliche Ursache ist jedoch eine Fehlernährung durch den Verzehr von Fabrikzucker und mangelnder Mundhygiene. Statt der Ursache zu begegnen, wird Eltern, Lehrern und Kindern empfohlen, auf fluorhaltige Zahncremes, Gele und fluoridiertes Speisesalz zurückzugreifen. Nicht erwähnt wird dabei, dass es sich bei Fluor um ein Breitbandenzymgift handelt. Der Körper benötigt Kaliumfluorid. Bei der künstlichen Fluoridierung wird jedoch Natriumfluorid eingesetzt, ein Abbauprodukt der Aluminiumindustrie. Natürliche Fluor-
Vorkommen sind übrigens in Mandeln und frischen Gemüsesäften aus Karotten, Kartoffeln, Sellerie, Roter Beete und Rettich. Allgemein gilt daher, dass frische Gemüse, frisches Obst und frische Kräuter reichliche Verwendung in der Ernährung finden sollten.....

Der gesamte Artikel umfaste ca. 9000 Zeichen und erschien bei ZeT (Friedrich-Verlag, Selze) im März 200


Ernährung und Bewegung
Keep fit!

Spätestens seit Albert Einstein wissen wir es: Energie ist Materie auf einem höheren Schwingungsniveau. Aber was, wenn einem die "Trägheit der Masse" immer wieder ein Schnippchen schlägt? Wenn uns der innere Schweinehund penetrant und süffisant ins Ohr säuselt: "Sport ist Mord!"? Dann hilft nur noch eine Strategie: Sportschuhe anziehen, Rettungsringe in der Taillengegend in Augenschein nehmen, ein letzter siegessicherer Blick in den Spiegel und ab die Post!

Von Beate Cotok

Allerlei Zipperlein

Kennen Sie die folgende Situation? In der Dusche flutscht die Seife weg, man will sich nach dem guten Stück bücken und plötzlich ist er wieder da! Er, der Schmerz im Lendenwirbelbereich. Er, der uns wieder einmal daran erinnert, wie viele Stunden wir vor dem PC verbracht haben, ohne uns zu bewegen. Er, der Indikator für all die Abende vor der Glotze. Wie die kleinen Wackel-
hunde auf der Autokonsole werden jetzt viele nicken. (Auch ich...). Seufz!

Da ein Unglück selten allein kommt, wird man dann auch noch beim Orthopäden bedauernd auf die Sparmaßnahmen der Krankenversicherungen hingewiesen. Also keine Massagen, bei denen man (wenigstens passiv) etwas für seinen Rücken machen kann? Keine Fango-Packungen? Und Krankengymnastik? Nicht einmal zehn Behandlungen? Der Arzt runzelt die Stirn, was so viel heißen soll wie: "No way!"

Arthrose, Skoliose, Osteoporose, noch mehr "ose" ("Matrose gehört nicht dazu....") – lauter recht unangenehme degenerative Erkrankungen, deren Diagnose (schon wieder "ose"...) einen nicht sehr glücklich macht. Tja, liebe Leute, das ist bitter! Und auch wieder nicht, denn:

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

Was bleibt da noch? Selbst in die Puschen kommen und in Richtung Bürgerpark oder zu einem der zahlreichen Fitness-Anbieter in unserer Stadt eilen! Neue Welten eröffnen sich, andere Dimensionen, unendliche Weiten. Sätze wie "Ich wusste ja gar nicht, dass es so tolle Mög-
lichkeiten gibt, sich fit zu halten!" formieren sich vor dem geistigen Auge. Angenehme Atmos-
phäre, freundliche, kompetente Mitarbeiter, ergänzende Wellness-Angebote und einfach Kontakt zu netten Menschen - das alles und noch viel mehr kann das sonst zuweilen triste Leben erheblich bereichern.

Die Kinder sind plötzlich auch nicht mehr so unausstehlich, da sie gezwungen werden, mit ins Fitnesscenter zu kommen. Was? Die mussten gar nicht gezwungen werden? Die wollten freiwillig mit? Kehrten Playstation und Gamecubes protestlos den Rücken? Schaden wird's den lieben Kleinen nicht: Rückenschäden (und das ist jetzt gar nicht witzig!) sind nämlich auch schon bei den Heranwachsenden eine Standarddiagnose.

Und weil es so schön ist, sich plötzlich zu bewegen, den eigenen Körper wieder zu fühlen, die Lungen als Atmungsorgan wahrzunehmen, die Cellulite langsam schwinden zu sehen, zu erleben, wie der bisher unter dem Wollpulli versteckte Pudding-Bizeps zu neuem Leben erweckt wird, stellt sich wie von selbst auch noch Lust zum Tanzen ein.

Tanzen ist Lebensfreude

Nun sind wir im Begriff, die eingangs erwähnte "Trägheit der Masse" zu überwinden. Unsere körpereigenen Atome beginnen zu schwingen. Der Countdown läuft! Nur noch wenige Jahre bis zur Teleportation (aus "Raumschiff Enterprise" als "Beamen" bekannt). Das Universum sind wir! Federnden Schrittes peilen wir zielstrebig eines der Bremer Tanzstudios an.

Die Tanzszene hat einiges zu bieten: Samba, Show-Jazztanz, Video-Clip-Dance, Tango, Flamenco – Angebote ohne Ende für alle Temperamente. Wer da nichts findet, ist selber schuld. Der kann jetzt den Fernseher anstellen, eine Tüte Chips und eine Dose Bier holen und Seifenopern gucken. Gemein, nicht? Tja, nur Erbarmungslosigkeit hilft dem hoffnungslosen Rumsitzer auf die Sprünge, nur Härte und der erhobene Zeigefinger! (Ist ja nur gut gemeint....)

Lektion Nr. 2

Apropos "Chips und Bier": Duschlotion ist vielleicht ein Ausweg, wenn das Bücken nach der Seife immer so weh tut, aber nicht die Lösung in Bezug auf die Ursachen von Rückenschmerzen. Was gehört sonst noch zu einem gesunden Leben außer Bewegung, frischer Luft und Lebensfreude? Na? Genau! Im Grunde wissen wir es doch alle: Die Ernährung!

Fast-Food, Kaffee, Allohol und zum Nachtisch erst mal eine rauchen. Bingo! Wenn´s dann zwickt und zwackt zum Arzt rennen und Pillen schlucken oder unter´s Messer. Ist das die Ausnahme? Ein Blick auf die Gesundheitsstatistiken der Industrienationen lässt vermuten, sogar befürchten, dass das eher die Regel ist. Die Wahrheit ist immer niederschmetternd. Dabei ist es doch gar nicht so schwierig, sich mal etwas Gesundes zu machen, wo es bei uns in Bremen viele wunderbare Märkte und Naturkostläden gibt!

Der Herd ist unser Freund

Unter uns - wer kochen kann, gilt als sinnlich! Kochen ist kreativ und meditativ. Und: Kochen kann man lernen! Das Sortiment an Kochbüchern ist enorm groß. Da ist für alle etwas dabei. Frisches Gemüse anstatt Dosen- oder Fertig-nahrung, frisches Obst, frische Kräuter, Vollkorn- statt Weißmehlprodukte, wenig tierisches Eiweiß – das alles ist schon die halbe Miete. Viel stilles Mineralwasser spült den Körper durch und versäuert ihn nicht, im Gegensatz zu Kaffee und gesüßten Getränken wie Cola, Limo oder zuckerhaltige Säfte.

Das Gemüse sollte frisch zubereitet werden, wobei das Garen in wenig Wasser oder wenig Fett zu bevorzugen ist, damit die Vitamine und Mineralstoffe nicht mit dem Kochwasser im Abfluss landen. Ein Tipp für jene, die guten Willens sind, sich von Fast-Foodprodukten zu verabschieden: Jede Woche mindestens ein schönes Rezept ausprobieren und mit Freunden (oder mit sich selbst) bei Kerzenlicht und klassischer Musik genießen. Mit der Zeit stellt sich Routine ein - learning by doing, wie der Angel-sachse sagt. Erfolgreiche Rezepte dürfen gerne getauscht werden. Das macht Spaß, eröffnet neue Kommunikationsmöglichkeiten und schafft Geselligkeit. Und damit man nach dem Essen noch tanzen kann, darf der Bauch nicht zu voll gestopft werden.

Das Leben ist schön

Wir gehen nun regelmäßig ins Fitness-Center, anschließend in die Sauna zum Entschlacken, tanzen uns in Ekstase, essen überwiegend Lebensmittel pflanzlicher Herkunft und halten uns an der frischen Luft auf. Dort atmen wir tief ein und (möglichst) aus. Unsere Atome schwingen um einige Frequenzen höher. Wir erinnern uns an Captain Kirk und seine Crew. Wir befinden uns in Bremen, der Wesermetropole und dem Wohnort fitnessbegeisterter, tanzfreudiger und Salatessender Bürger. Ein Hoffnungsschimmer auf dem Globus. Eine Oase des Glücks. Wir haben ein neues Körperbewusstsein. Die Transformation ist vollbracht. Wir tanzen nur noch (wir können gar nicht mehr anders...). Um den Roland hängen Blumengirlanden. Die Bremer Stadtmusikanten dürfen auf die Kinder- und Jugendfarm. Bremer Straßen füllen sich mit glücklichen Menschen. Sie winken sich zu und lachen sich an. Eine Melodie erklingt. Sterne fallen vom Himmel – okay, okay, ist ja schon gut! Ein bewegliches, gesundes und frohes neues Jahr! (....)

Der gesamte Artikel umfasste ca. 9000 Zeichen und erschien im MIX (Bremen) im Januar 2004


Gesund und lecker
Genfood

Schöne neue (Gen-) Welt?

Der Countdown läuft: dem EU-Verbot gentechnisch manipulierter Nahrungsmittel droht das K.O., die Gentechnik-Lobby kann sich die Hände reiben und die Verbraucher sind angeschmiert, denn die Folgen für die Gesundheit sind nicht absehbar, da bislang keine Langzeituntersuchungen über die Risiken von Genfood vorliegen.

Von Beate Cotok

Seit 1990 sind Freisetzung und Inverkehrbringen von gentechnisch veränderten Organismen durch EU-Richtlinien geregelt. Mitte der 90er Jahre wurden Genehmigungen für das Inverkehrbringen von gentechnisch verändertem Mais und Soja in der EU erteilt. Seit 1998 gibt es keine weiteren Genehmigungen. Nach fünf Jahren ist mit der Verabschiedung der Kennzeichnungspflicht für GVO-Produkte (Gentechnisch veränderte Organismen) nun jedoch auch das Ende des Gentech-Moratoriums in der EU in Sicht. In wenigen Monaten soll ein herbizidresistenter Mais zugelassen werden; weitere 32 Anträge auf Zulassung neuer Gentechpflanzen und -organismen stehen schon in der Warteschleife. Mit einer im März begonnenen Veranstaltungsreihe und einer Ausstellung zum Thema »Grüne Gentechnik, (Öko-) Landwirtschaft und Ernährung« will der Verein Sozialökologie in Kooperation mit vielen an der Diskussion und Auseinandersetzung beteiligten Partnern die Bremer Öffentlichkeit auf Probleme und Risiken aufmerksam machen, die mit der »Grünen Gentechnik« verbunden sind.

Genfood - nein danke!

»Bauern und Verbraucher wollen keine Gentechnik, weder auf dem Acker noch auf dem Teller. Wir setzen auf gentechnikfreie Landwirtschaft und die muss durch das neue Gentechnikgesetz sichergestellt werden!« so die Sprecher des Bündnisses für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Niedersachsen, Bremen und Hamburg. Das Bündnis besteht aus Landwirtschaftsverbänden, Unternehmen, Ärzte-, Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen, Wissenschaftlern sowie entwicklungspolitischen Gruppen und sieht in dem angekündigten Gesetzentwurf der Bundes-
regierung noch viele Kritikpunkte, zum Beispiel an der Klausel für die Haftungsregelung.

Sie sieht vor, dass Gentechnik-Hersteller nicht haftbar gemacht werden, sondern dass geschädigte Landwirte Klage vor einem Zivilgericht einreichen müssen. Es scheint, damit wolle man den Landwirten im Vorfeld schon den Wind aus den Segeln nehmen.
»Wir werden nicht zulassen, dass wieder die Bäuerinnen und Bauern bei Schäden allein gelassen, auf Gerichtsverfahren vertröstet und auf die Anklagebank der Gesellschaft gesetzt werden,« so der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und einer der Sprecher des Bündnisses, Georg Janssen. Den multinationalen Gentechnikkonzernen, darunter alte Bekannte aus der Pharmaindustrie, würden vor einem solchen juristischen Hintergrund alle Türen und Tore geöffnet, denn dann könnten sie die Ernährung vom Acker bis zum Teller kontrollieren und unbehelligt ihre Produkte auf den Markt bringen.

Big Brother is watching you

Die USA üben massiven Druck aus, um die Etablierung genmanipulierten Materials weltweit zu forcieren. Dort werden Bauern bereits durch Knebelverträge von Gentechnik-Konzernen gezwungen, gentechnisch verändertes Saatgut und Pflanzenschutzmittel im »Set« zu kaufen. Die EU-Kommission scheut den Konflikt mit der Großmacht und hat angekündigt, dass das Verbot im Laufe des Jahres aufgehoben wird. Trotz der stereotyp wiederholten Beteuerungen der Industrie, Gennahrung sei bedenkenlos, weiß jeder, der in der Schule am Biologieunterricht teilgenommen hat und sich dunkel an die Mendel'schen Gesetze erinnert, dass das so nicht hinhauen kann. Die Verdopplung von durch Nahrungsmittel hervorgerufenen Krankheiten seit Einführung von Gen-Pflanzen in den USA überrascht da wenig.

»Der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in Landwirtschaft und Lebensmittel-
produktion birgt erhebliche Risiken für die Umwelt. Großflächig freigesetzte GVO treten in Wechselwirkung mit anderen Lebewesen. Neue Eigenschaften, die den gentechnisch veränderten Produkten (GVP) zu erhöhter Wettbewerbsfähigkeit verhelfen, können zu ihrer stärkeren Verbreitung beitragen und durch Kreuzungen Wildpflanzen verdrängen. Neue Inhaltsstoffe, wie z.B. Toxine, können auch gegen so genannte Nichtzielorganismen wirken. Pollen von Bt-Mais, der gegen Insektenfraß ge-schützt ist, schädigt beispielsweise auch Larven von Schmetterlingen, die keine Schädlinge sind!« so der Verein Sozialökologie, Bremen.

Wer allen Ernstes behauptet, durch Hecken Pollen von genveränderten Organismen und Bienen abschrecken zu wollen, neigt zu schwarzem Humor, aber nicht zu einer serösen Aufklärung. In der Natur steht alles miteinander durch die Nahrungskette in Verbindung. Jeglicher Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen ist daher relevant für alle anderen Lebewesen. So gesehen ist allein die Anwendung gentechnisch veränderter Organismen irgendwo auf der Welt schon gravierend genug, denn diese Verunreinigungen machen nicht vor Landesgrenzen halt. Laut jüngsten Pressemitteilungen des Auswertungs- und Informationsdienstes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten e.V. (aid) hat das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) kürzlich zum ersten Mal in Europa mehrere gentechnisch veränderte Papayas entdeckt. Für die aus den USA importierten Früchte lag keine Zulassung vor......

Der gesamte Artikel umfasste ca. 8.500 Zeichen und erschien im MIX (Bremen) im April 2004


Gesund und lecker
Trinkwasser

Lebenselixier Wasser

Der Mensch besteht im mittleren Alter zu etwa 70-80 Prozent aus Wasser. Als Lösungs-, Transport- und Reinigungsmittel für den Stoffwechsel hat Wasser daher eine entscheidende Bedeutung und ist nicht ohne weiteres durch andere Flüssigkeiten zu ersetzen. Wasser ist also mehr als ein Durstlöscher und weil das so ist, spielt auch die Qualität des Wassers, das wir dem Organismus zur Verfügung stellen, eine wichtige Rolle.

Der Weser-Kurier berichtete am 6.7.02 mit der Schlagzeile »Trinkwasser wird zum Medikamenten-Cocktail« über die Gefahren der Trinkwasserverschmutzung durch Arzneien. Allein aufgrund der Verkaufszahlen der Antibabypille lassen sich Verunreinigungen durch Hormone im Bereich der Oberflächenwasser von Flüssen und Seen mit zwei Mikrogramm Östrogen pro Liter nachweisen. Dazu kommen Schwermetalle, Nitrate, schädliche Substanzen aus dem Bereich der so genannten Pflanzenschutzmittel, Rückstände von Wasch- und Putzmitteln und vieles andere mehr. »Vor allem in der Nähe von Klärwerken seien zahlreiche Arzneistoffe, zum Beispiel solche gegen Epilepsie, gefunden worden« heißt es in dem oben erwähnten Artikel. Wenn man bedenkt, dass allein in Deutschland im Jahr 2000 etwa 29000 Tonnen humanmedizinische Medikamente verkauft wurden, wovon 7000 Tonnen synthetische Wirkstoffe waren und dazu im genannten Jahr 2320 Tonnen Tierarzneimittel kamen, fragt man sich, wo das alles bleibt.

Umkehr-Osmose

Prinzipiell gilt die Qualität unseres Trinkwassers als gut, wie die Wasserwerke beteuern. Die Qualität entspricht aus bakteriologischer und chemischer Sicht den Vorgaben der jeweils gültigen Trinkwasserverordnung. Das Bremer Trinkwasser wird auf etwa 150 Inhaltsstoffe regelmäßig kontrolliert. Gemessen am Leitungswasser vieler anderer Regionen ist es relativ schadstoffarm. Allerdings stützen sich die Untersuchungen auf Grenzwertfestlegungen, die nicht immer aussagekräftig genug sind, um dem Verbraucher eine Garantie für gesundheitliche Unbedenklichkeit zu geben. Unabhängig von oft fragwürdigen Grenzwerten fallen Verunreinigungen, nach denen gar nicht erst gesucht wird und jene, die sich durch Metalle aus den Hausleitungssystemen im Wasser anreichern, durch das Raster der Untersuchungen.

Da das Bewusstsein der Menschen für Fragen der Gesundheit und Ernährung steigt, machen in den letzten Jahren Geräte zur Reinigung des Trinkwassers vermehrt von sich reden. In Bezug auf die optimale Methode gehen die Meinungen jedoch auseinander, denn Herstellerinteressen vernebeln ein objektives Bild. Ein Verfahren, das sich auf dem Markt inzwischen jedoch sehr etabliert und bewährt hat, ist die Reinigung durch Umkehr-Osmose. Mittels eines Gerätes, das an die Wasserleitung angeschlossen werden kann, wird so das Trinkwasser ohne Elektrizität und Chemie mit dem Ergebnis der fast hundertprozentigen Schadstofffreiheit (Schwermetalle, Bakterien, Viren usw.) durch eine Membran gefiltert. Besonders fällt hier die Filterung von Nitrat ins Auge. Obgleich Kritiker der Umkehrosmose einwenden, dass Osmosewasser zu stark in den sauren Bereich absackt, ist die Trinkwasserreinigung auf diese Weise nach wie vor eine der effektivsten.

Vor der Anschaffung lohnt es sich dennoch, verschiedene Filtermöglichkeiten zu vergleichen und sich umfassend zu informieren in Bezug auf Folgekosten bei der Wartung und Verkeimungsgefahren der Filter. Im Einzelfall ist also abzuwägen, ob ein Umkehr-Osmosegerät Sinn macht oder ein Aktivkohleblock-Filter ausreicht.

Wasserenergetisierung

Wasser reagiert wie eine Art Antenne; neuere Untersuchungen bestätigen, dass Wasser über eine Art »Gedächtnis« verfügt. Das MIX sprach mit Gerhard Bruder, der seit Jahren im Naturwarenvertrieb und im Bereich Wasserfilterung- und energetisierung tätig ist.

MIX:

Was ist unter »Wasserenergetisierung« zu verstehen? Ist das nicht nur Geschäftsmacherei aus der esoterischen Ecke?

Gerhard Bruder:

Keineswegs! Wasser ist aus chemischer und physikalischer Sicht ein Phänomen. Es ist ein so genannter Dipol und es wirken magnetische Kräfte. Informationen bzw. Frequenzmuster können, ähnlich wie bei der Aufnahme auf ein Tonband, auf genommen werden. Es gibt Geräte, die Wasser informieren können. Das ist aber nicht mit Energetisierung gleichzusetzen. Das alles hat nichts mit Quacksalberei zu tun; vielmehr erklärt es auch die Wirkungsweise der Homöopathie. Mit der Energetisierung ist es möglich, nachweisliche atomare Veränderungen zu bewirken.

MIX:

Sind denn atomare Veränderungen wünschenswert?

Gerhard Bruder:

Als Informationsträger nimmt Wasser nicht nur gute, sondern auch schlechte Informationen auf, was inzwischen als seriös erwiesen gilt. Selbst nach Entfernen der Schadstoffe, wie etwa durch eine Umkehr-Osmose-Anlage, wirken die Informationen der ursprünglichen Schadstoffe noch nach. Hierzu hat der japanische Wasserforscher Dr. Masaru Emoto, der übrigens auch schon an der Uni Bremen zu Gast war, mit seinen Kristallbildern beeindruckende Nachweise geliefert. Durch die Energetisierung können diese Nachwirkungen (Schwingungen) unschädlich gemacht werden.

MIX:

Was ist unter reifem Wasser zu verstehen?

Gerhard Bruder:

Es bedeuted »von selbst zu Tage tretend« und nicht künstlich durch ein Brunnensystem bzw. Bohrungen aus der Erde gewonnen. Reifes Wasser aus so genannten »arthesischen Quellen« findet man heute nur noch selten. Ein solches Wasser besitzt eine stark ausgeprägte kristalline Struktur und hat eine hohe Selbstreinigungskraft. Es braucht daher nicht konserviert zu werden. Ein Wasser, das gegenwärtig diese Kriterien weitgehend erfüllt und auch im Bremer Naturkosthandel erhältlich ist, ist das Wasser aus der St. Leonhardtsquelle. Solch ein Wasser hält sich von selbst keimfrei und braucht weder durch radioaktive Bestrahlung, noch durch Kohlensäure oder Chlor desinfiziert zu werden.

Gerhard Bruder:

Lebendiges Wasser hat ganz bestimmte Qualitäten mit Blick auf die Wirkung auf die Zellen des Körpers. Diese Qualitäten beziehen sich auf die Reinheit, die Molekularstruktur und das Energieniveau. Bei reinen Energetisierungsverfahren, wie etwa nach dem Modell des Naturforschers Grander, soll zwar eine strukturelle Verbesserung des Wassers erreicht werden, aber was die Reinheit des Wassers angeht, bestehen Zweifel. Da sollte man schon auf Nummer sicher gehen. Optimal ist es also, das Trinkwasser zunächst zu reinigen und dann zu energetisieren. Technisch ist hier bereits viel möglich. Ein Verfahren, das die Reinigung und Energetisierung in einem bietet, ist das pi-cell-System, das gegenwärtig bereits von einigen Bremer Händlern getestet wird. Hierbei wird das Anforderungsprofil für hochwertige und naturgemäße Wasseraufbereitung in sehr hohem Maß erfüllt.

MIX:

Welche Möglichkeiten haben Verbraucher, die reines und lebendiges Wasser trinken wollen?

Gerhard Bruder:

Wer sich nicht selbst eine Umkehr-Osmose-Anlage anschaffen möchte, kann sich bei einigen Händlern aus dem Reformwaren- und Naturkostbereich Wasser abfüllen. Es kann auch Sinn machen, teilweise ein gutes Quellwasser zu trinken, das in Flaschen oder Kisten schon in vielen Geschäften erhältlich ist und ergänzend oder als Alternative dazu Wasser beim Händler abzufüllen, die über das erwähnte pi-cell-System verfügen.

MIX:

Wird gutes Wasser bald ein Luxusgut?

Gerhard Bruder:

Eine Tendenz in diese Richtung ist leider festzustellen, solange der Wasserverbrauch und die Schadstoffanreicherungen in den Industrienationen nicht nachlassen. Auch ist eine gewisse Monopolisierung auf dem etablierten Wassermarkt zu sehen. Das ursprünglich freie Gut wird somit immer weiter kommerzialisiert.

Die Geister, die wir riefen…

Selbst das sauberste Wasser kann keine Ernährungsfehler ausgleichen; allerdings bringt die gesündeste Ernährung auch nicht den gewünschten Erfolg, wenn das Wasser bereits so durch Schadstoffe gesättigt ist, dass es seiner Funktion nicht mehr gerecht werden kann. »Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los!« schrieb Goethe im »Zauberlehrling.« Langfristig lohnt sich daher ein Umdenken und Umhandeln dahingehend, dass durch einen bewussten Umgang mit Wasser künftige Verunreinigungen reduziert werden, um die noch vorhandenen Trinkwasserressourcen zu schonen.

Beate Cotok-Wiemers

Der gesamte Artikel umfasste ca. 8400 Zeichen und erschien im
Stadtmagazin MIX (Bremen) im August 2004.

Essen im Zeichen der Schnecke

Essen ist etwas Sinnliches und hat viel mit Kultur zu tun. Eine gediegene Mahlzeit begünstigt Geselligkeit und kann Freude über die Fülle der Natur erzeugen. Kurz: Gutes Essen hält einfach Leib und Seele zusammen. Doch viel von dem, was ein besinnliches Mahl ausmacht, ist inzwischen verloren gegangen. Den Genuss beim Essen wieder in den Vordergrund zu stellen, ist eines der Ziele der Slow Food-Bewegung. National und international organisieren sich Anhänger der bewussteren Nahrungsaufnahme zu Gruppen. Auch in Bremen setzen immer mehr Menschen auf die Schnecke, das Logo der Slow Food-Bewegung. Unter dem Motto "Genuss im Nordwesten" treffen sich Slow Food-Freunde aus Bremen und umzu am So. 25.9. im Museumsdorf Cloppenburg.

Die fünf regionalen Slow Food-Gruppen ("Convivien") aus Bremen, Oldenburg, Osnabrück, Diepholz und Ostfriesland laden ein, um regionale Produkte und Spezialitäten vorzustellen. Anbieter aus dem nordwestdeutschen Raum sind aufgefordert, Produkte zu präsentieren, Kostproben anzubieten und die Besucher umfassend zu informieren.

Fast Food

Schon im 14. Jahrhundert soll es die ersten Fast-Food-Kunden gegeben haben. In Regensburg entstand damals nämlich die erste Wurstküche, eine der ältesten Imbissbuden der Welt. Somit ist Fast Food keine Erfindung aus Amerika. Allerdings haben amerikanische Konzerne in den letzten Jahrzehnten maßgeblich dazu beigetragen, dass Fast Food zum Massenphänomen wurde. Der Hamburger auf die Schnelle hat das gemeinsame Essen in vielen Familien sowie den klassischen Drei-Mahlzeiten-Rhythmus verdrängt. Durch neue Schul- und Arbeitsbedingungen musste vieles schneller gehen - auch das Essen.

Fast Food-Restaurants prägen mittlerweile das Bild in Städten, Einkaufszentren und Gewerbegebieten. Die Schattenseite: Fast Food-Ketten produzieren täglich weltweit hohe Abfallberge, zahlen Niedriglöhne und das eingeschränkte Speisenangebot veränderte die Bedingungen für Landwirtschaft und Umwelt. Für die Millionen verkaufter Pommes frites werden gigantische Kartoffelfelder angelegt und mit Pflanzenschutzmitteln sowie Gentechnik am Leben erhalten. Und um die vielen Rinder zu ernähren, die den Rohstoff für die Fleischeinlage im Hamburger liefern, müssen täglich Regenwaldgebiete Platz für Viehweiden machen.

Und: Konventionelles Fast Food enthält zu viel Fett, zu viel Salz, dafür aber zu wenig Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe. "Gut gekaut ist halb verdaut" heißt es im Volksmund. Wer die Imbissbude auf Dauer bevorzugt, isst auch meistens zu schnell. Der Körper braucht aber etwa 20 Minuten, bis sich bei einer Mahlzeit ein Sättigungsgefühl einstellt. Also - auch wenn "Pommes mit Mayo" einfach ab und zu den Heißunger stillen können, ist Fast Food sicher nicht als Standard-Ernährungsform geeignet, um gesund und bewusst zu leben.

Slow Food

Der italienische Journalist Carlo Petrini rief die Slow Food-Bewegung 1986 anlässlich der Eröffnung der Filiale einer großen amerikanischen Fast Food-Kette in Rom ins Leben. Petrini, offenbar ein Freund ausgiebiger Tafelfreuden, forderte das Recht auf sinnliches Vergnügen durch langsames Essen. Die Mitglieder der Bewegung veranstalten seither opulente Menüs, Weinproben und Kochkurse. Sie wenden sich gegen synthetische Zutaten und 08/15-Rezepte. Essen soll wieder ein Bestandteil kulturellen Lebens sein. Die Philosophie: Der Genuss beginnt beim Einkauf, steigert sich bei der Zubereitung und gipfelt in einer Tafelrunde, bei der ein guter Wein nicht fehlen darf.

Dem Beispiel des genussfreudigen Italieners folgten viele. Inzwischen vereint "Slow Food" mehr als 60000 Mitglieder in mehr als 40 Ländern. Allein im norddeutschen Raum treffen sich regelmäßig Slow Food-Freunde zum gemeinsamen Genießen und Austauschen. Eines der erklärten Ziele von Slow Food ist, traditionelle Lebensmittel und Herstellungsmethoden durch Standardisierung und Hygienevorschriften zu schützen. Die Mitglieder engagieren sich für den Erhalt regionaler Küche und heimischer Produkte. Und sie machen sich stark gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel oder den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft.

Convivien

Die regionalen Ortsgruppen (Tafelgruppen) informieren auf regelmäßigen Veranstaltungen über lokale Anbau- und Verarbeitungsmethoden. Die enge Zusammenarbeit mit Betrieben aus der Region schafft einen guten Informationsaustausch. Betriebsbesichtigungen ermöglichen einen verbindlicheren Zugang zu den Landwirten und Herstellern. Das Frühstücksei schmeckt einfach anders, wenn man auf dem Hof einmal die Hühner erlebt hat. Und auch der Käse aus der Hofkäserei weckt mehr "kulinarische Nähe" als die in Folien verschweißten Scheibletten aus dem Kühlregal.

Slow Food ist eine von der FAO Food and Agriculture Organization anerkannte Non-Profit-Organisation. Die Slow Food-Bewegung leistet somit einen wichtigen Beitrag zum bewussteren Umgang mit Lebensmitteln.

Günstig und bewusst schlemmen

Wer sich sonst kein opulentes Mahl mehr leisten kann, bekommt durch Slow Food sogar die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Drei-Gänge-Menu für 5 Euro. Die richtige Planung, der bewusste Einkauf und die Berücksichtigung von Produkten regionaler Erzeuger spielen dabei eine große Rolle.

Die Devise ist: "Individuelle Produkte für individuelle Menschen". Wer Retortennahrung essen möchte, verzichtet dabei gleichzeitig auf den Einsatz der Sinne. Essen wird zur Notwendigkeit zwischen "Tür und Angel" und das kann auf Dauer weder den Magen, noch die Seele erfreuen. Gerade im durch Stress geprägten Alltag kann die stilvolle Nahrungsaufnahme an jedem Tag eine kleine Auszeit sein. Andere Länder und Kulturen, sowie vor allem kleine Kinder, machen uns schon lange vor, dass gemeinsames Essen etwas Verbindendes und Entspannendes haben kann.

Back to the Roots

Dass durchaus ein Bedarf vorhanden ist, die Langsamkeit des Essen neu zu entdecken, zeigt die große Resonanz auf die Slow Food-Philosophie. Dahinter steckt sicher auch eine innewohnende Sehnsucht nach Vertrautem, nach Düften und Geschmacksrichtungen aus Kindertagen.

Die Bremer Filmemacherin Ulrike Westermann erhielt sogar den Förderpreis im Rahmen der Kulturellen Filmförderung Bremen für ihr Dokumentarfilmvorhaben "Die Revolution der Schnecke". "Bei Slow Food finden sich Menschen unterschiedlichster Kulturen und politischer Ansichten unter einem zunächst banalen Thema zusammen, nämlich dem Essen. Spannend an dem Stoff ist aber seine politische Dimension. Die Spannbreite zwischen Genuss und Politik, Tradition und Globalisierung, Arm und Reich - dieses Feld möchte ich in meinem Film beackern", so Ulrike Westermann.

Unter dem Motto "Kurze Wege - langer Genuss" stellt der bundesweite Aktionstag "Tag der Regionen" die direkte Verbindung zwischen regionalen Lebensmitteln und genussvollen Speisen her. Die eingangs erwähnte Veranstaltung in Cloppenburg am So. 25.9. bildet zugleich den Auftakt für den "Tag der Regionen" am So. 2.10. in Niedersachsen (www.tdr-nds.de). Im Forsthaus Heiligenberg in Bruchhausen-Vilsen, findet in der Zeit von Mo. 26.9. bis So. 2.10. darüber hinaus eine "Genuss-Woche" mit unterschiedlichen Veranstaltungen statt. Zielgruppen sind neben Kindern und Jugendlichen auch Hobby- und Profiköche sowie Verbraucher und Direktvermarkter (www.forsthaus-heiligenberg.de, Tel. 04252 / 93200). Die Köche fühlen sich verpflichtet, vorrangig Produkte aus der Region zu verarbeiten. Kooperationspartner sind die Diepholzer Moorschnuckenzücher- und halter. So ist die Zubereitung der Moorschnucke auch Bestandteil einer Veranstaltung im Rahmen der Genuss-Woche.

Wer nun buchstäblich auf den Geschmack gekommen ist und mehr zu "Slow Food" wissen möchte, findet auf der Website www.slowfood.de weitere Details. Ansprechpartner für die Region Bremen ist Gernot Riedl, Tel. 0421 / 4373393 (Rückruf erfolgt bei Nachricht auf dem Anrufbeantworter). Ferner treffen sich Slow Food-Freunde am Di. 6.9. um 20.00 Uhr, wie auch an jedem anderen ersten Dienstag im Monat, im PORT, Am Schwarzen Meer 27.

Der gesamte Artikel umfasste ca. 8400 Zeichen und erschien
im Stadtmagazin MIX im September 2005

Copyright Beate Wiemers
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