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Alternativmedizin und Gesundheit
Gesundheit und Harmonie hängen vom ungehinderten Fluss der Lebensenergie durch unser gesamtes Wesen ab. Jin Shin Jyutsu ist eine kunstvolle Verbindung von spiri- Von Beate Cotok „Gleich der Flamme, die sich nachbewegt, lauten drei Zeilen aus Dante‘s Göttlicher Komödie, die der Leitspruch der mehrere tausend Jahre alten Physio-Philosophie „Jin Shin Jyutsu“ sein könnten. Der Geist bestimmt die Form ein Aspekt, der Berührungspunkte zu Einstein´s Relativitätstherorie (Zusammenhang zwischen Masse und Energie) und seiner Aussage „Gedanken sind Wesen“ herstellt sowie neuzeitliche Übersetzungen in Formulierungen wie „Deine Gedanken, dein Schicksal“ und „der Gedanke formt das Wort“ findet. Durch die Gedanken wird die eigene Wirklichkeit kreiert. Paracelsus sagte: „Mit den Gedanken, durch die wir krank geworden sind, können wir nicht gesund werden.“ Das Erbe von Jiro Murei Es ist überliefert, dass er während dieser Zeit mehrmals das Bewusstsein verlor. Nach intensiver Selbsterfahrung stellte er am Ende des siebenten Tages fest, geheilt zu sein. Aus tiefer Dank- Die Einsichten und Erkenntnisse, die er aus dem Studium unterschiedlicher Quellen, wie u. a. dem „Kojiki“ (Buch der Alten Dinge), umfangreichen persönlichen Erfahrungen durch Studien am eigenen Körper, Fastenkuren sowie Untersuchungen von anderen Menschen gewann, gab er als Erbe an Mary Burmeister, eine in den USA lebende Halb-Japanerin, weiter. Sie war nach Japan gereist, um dort als Übersetzerin zu arbeiten und zu studieren, als das Schicksal sie mit Jiro Murei zusammenführte. Die Begegnung sollte ihr Leben verändern, denn Jin Shin Jyutsu wurde nun Zentrum ihrer Studien und ließ ihren Namen zu einem heute von der Kunst untrennbaren Bestandteil werden. Von der kraftvollen Wirkung der „heilenden Berührungen“ konnte sich Mary Burmeister selbst überzeugen, als sie erkrankte und Jiro Murei ihr mit Hilfe seiner Hände zur Genesung verhalf.... Der gesamte Artikel umfasste ca. 23.000 Zeichen und erschien im April 2003 als Leitartikel in der "Natur & Heilen" (München)
Nicht erst seit dem Erfolg des Filmes „Ayurveda“ von Pan Nalin ist die alte ganzheitliche Heilkunst wieder auf dem Weg, Anhänger und Interessierte zu finden. Das aus Indien stammende „Wissen um ein langes Leben“ erlebt gegenwärtig auch in unserer Klimazone eine Rennaissance, wodurch eine wachsende Nachfrage nach Infor-mationen, Produkten und Therapieformen entstanden ist. Von Beate Cotok „Wie der Mikrokosmos so der Makrokosmos“ ist eine Kernaussage des Ayurveda. Um diesen Grundsatz kreisen alle Theorien und Behandlungsmethoden dieser Heilkunst, deren Wurzeln bis zum 3. Jahrtausend vor Chr. zurückgehen. Die Blütezeit des Ayurveda ist in der Zeit vom 7. Jh. vor, bis 1000 nach Chr. angesiedelt. In den klassischen Texten der ayurve-dischen Lehre sind acht eigenständige Bereiche beschrieben: Innere Medizin, Toxikologie, Chirurgie, Augen-heilkunde, Kinderheilkunde, HNO-Medizin, Gynäkologie und Geburtshilfe. Doch auch in Geriatrie und der Psychiatrie leistet der Ayurveda gute Dienste. Unter den ganzheitlichen Heilverfahren nimmt der Ayurveda eine besondere Stellung ein, denn er beeinflusste nicht nur die Medizin im asiatischen Raum. Schon Hippokrates, der bedeutende Vertreter der alten griechischen Heilkunde, soll in enger Anlehnung an die ayurvedische Lehre behandelt haben. Der Ayurveda hatte auch eine Auswirkung auf die alte Medizin der Ägypter und die bis heute ausgeübte traditionelle chinesische Medizin. Er ist also das älteste und vollständig integrierte System für Gesundheit und Langlebigkeit, das sich über die Jahrtausende bis heute bewährt hat und wird daher auch als die „Mutter der Medizin“ bezeichnet. Philosophisches Aus der Sicht des Ayurveda ist der Mensch ein Universum für sich und als Kind der kosmischen Kräfte und der äußeren Umwelt zu betrachten. Als solches ist er von der Manifestation des Kosmos als Gesamtheit nicht trennbar. Gesundheit und Krankheit symbolisieren die innewohnende Beziehung zwischen Individuum und kosmischem Geist. Die westliche Medizin hat im Gegensatz dazu die Neigung, das Individuelle zu verallgemeinern und zu kategorisieren. Nach ayurvedischer Lehre wirken im Körper des Menschen drei Kräfte: Vata, Pitta und Kapha, genannt „Tridoshas“. Diese Tridoshas gründen sich auf die Lehre der Bioenergien eines Individuums. Sie bestimmen seine Konstitution. Sind sie gestört, kann es zu Disharmonien und letztendlich zu Krankheiten kommen. Als Diagnoseverfahren wendet ein ayurvedisch ausgebildeter Arzt vorrangig die Pulsdiagnose an, anhand derer er schnell ermittelt, welcher Art das Ungleichgewicht unter den Tridoshas ist. Im Rahmen individuell abgestimmter Therapien kann er helfen, diese Kräfte wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Der Ayurveda bedient sich holis-tischer Medizin, die sich auf Mineralien und Substanzen aus dem Pflanzenreich gründet. Neben verschiedenen Kräuteranwendungen, einer speziellen Lebens- und Ernährungsweise, Massagen, Bädern, Aromatherapie und Ölanwendungen werden auch regelmäßige Yoga- und Meditations-übungen in einen Therapieplan eingebaut. Trotz der Fülle dieser möglichen Therapien ist Ayurveda jedoch auch meist ohne größeren Aufwand zu Hause anzuwenden.... Der gesamte Artikel umfasste ca. 8.500 Zeichen und erschien im MIX (Bremen) im
Mazdaznan - eine Botschaft für ein gesünderes Leben Zoroaster gilt als Erneuerer der dualistischen Glaubenslehre der alten Iranier, in der sich Ahuramazda und Angrumainyu als guter und böser Geist gegenüber stehen. Für seine Arbeit, bei der er die alten zarathustrischen Überlieferungen wieder sammelte, wurde ihm der Titel „Zarathustra“ (auf griech. „Zoroaster“) verliehen, was so viel heißt wie „Friedefürst“. Der Begriff „Mazdaznan“ (gesprochen: Masdasnan) hat seine Wurzeln in der Zendsprache. Die Zendavesta, heilige Schrift der alten Perser (Parsen), wurde in der Zoroaster-Religion niedergelegt. Mazdaznan bedeutet in etwa „Der Meister-Gedanke“. Die damit verbundene Lebensphilosophie in Kombination mit einem umfangreichen Programm zum gesünderen Leben erfreut sich gegenwärtig, in einer Zeit des Bewusstseinswandels, vieler neuer Anhänger. Von Beate Cotok Die alte Lebenskunde „Mazdaznan“ befasst sich mit wesentlichen Wahrheiten der Existenz und berührt philosophische, soziologische, wissenschaftliche und religiöse Themen. Somit kann von einem vollständigen System zur Entfaltung des Menschen gesprochen werden. Ein Mensch, der mit seinem komplexen Werk wesentlich dazu beitrug, die Aussagen der Mazdaznan-Lehre zu verbreiten, war Dr. Otoman Zar Adusht Hanish (1844-1936). Er kam schon als Dreijähriger in ein Kloster in Tibet, wo er frühzeitig die zarathustrischen Lehren studieren und praktizieren konnte. Später verließ er die Geborgenheit dieses Ortes, um die „Botschaft von Zarathustra“, die übrigens den Lehren Jesu sehr ähnelt, kundzutun. Dabei wurden ihm, wie manch anderem Lehrer vor und nach ihm, reichlich Steine in den Weg gelegt: Feindseligkeiten, Bloßstellungen, Drohungen und Angriffe auf sein Leben von Seiten der Priesterschaft, der Politiker und des medizinischen Establishments jener Zeit, Interessengruppen also, die damals wie heute bestrebt waren, Menschen in der Knechtschaft zu halten. Schon vor dem 2. Weltkrieg gewann die Mazdaznan-Lehre an Popularität. Allerdings wurde die Bewegung unter dem späteren politischen Regime als Friedensbewegung verboten. Einzelne Aussagen der Schriften wurden aus dem Kontext isoliert und für menschenentwürdigende Propaganda missbraucht. Der Mazdaznan-Bewegung ging es stets um das Anheben des ethischen Niveaus der Menschen und ihrer Bewusstwerdung, niemals jedoch um menschliche Selektion im Sinne pathogenen politischen Gedankengutes. Gesundheitsreformen machen die Auseinandersetzung mit alternativen Heilverfahren gegenwärtig notwendiger als je zuvor. Körperliche Gesundheit kommt dem geistigen Wachstum, das das Ziel des Menschen in letzter Konsequenz ist, entgegen; sie mag sogar Voraussetzung dazu sein. Dass Gesundwerden und -bleiben nicht notwendigerweise einen großen Kraft- und Kapitalaufwand bedeutet, erkennen jene, die den innewohnenden Richtlinien alter Weisheiten folgen. Allerdings sind Geduld, gesunder Menschenverstand und der Wille zu Veränderung Bedingungen, um den Weg zu einem besseren Körper- und Lebensgefühl zu beschreiten. Die Mazdaznan-Lehre empfiehlt, sämtliches Sehnen auf eine Verbesserung der Lebenssituation und das geistige Wachstum zu richten. Getreu nach Zoroaster wird großer Wert auf gutes Denken, gutes Reden und gutes Handeln gelegt und in dem Zusammenhang immer wieder die Bedeutung von Entgiftungs-prozeduren betont. Schon Moses lehrte die Bedeutung von Reinigungs- Der gesamte Artikel erschien als Leitartikel in der "Natur und Heilen" im Dezember 2003 und umfasste ca. 23.000 Zeichen. Heilende Klänge für die Seele Die Hörtherapie nach Dr. Tomatis Im Johannesevangelium heißt es: Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. "Atman ist Klang" heißt es entsprechend in der indischen Philosophie. Atman, ein Begriff aus dem Sanskrit, bedeutet "Lebenshauch, Seele" und drückt das innerste Wesen der Persönlichkeit, nämlich das göttliche Selbst aus. Für die Seele gelten die Augen als Fenster, doch die Ohren symbolisieren ihr Tor. Von den Ohren hängt ab, ob wir zu einem guten Gleichgewicht und harmonischen Bewegungsabläufen finden. Sie geben uns Orientierung und entscheiden über Entwicklung und Vermögen des individuellen Ausdrucks mit unserer Stimme und Sprache. Durch das Hören erschließt sich uns die Welt und zwar nicht erst nach der Geburt, sondern schon im Mutterleib. Ein Mediziner und unermüdlicher Erforscher der Wechselbeziehungen zwischen dem Hören, der Stimmbildung und der Verarbeitung von Reizen auf der psychischen Ebene war Dr. Alfred Tomatis. Im Jahre 1920 in Nizza geboren, wurde dem Sohn eines Opernsängers das Interesse für die Phänomene der Sinneswahrnehmung über die Ohren schon in die Wiege gelegt. In seiner späteren Tätigkeit als HNO-Arzt verdankt er viele seiner Erkenntnisse der Arbeit mit Sängern. Dr. Tomatis gilt als Wegbereiter der Musik- und Klangtherapie sowie der pränatalen Psychologie und der damit verbundenen Bedeutung der Kommunikation zwischen Mutter und ungeborenem Kind. Mit seinen Thesen in Bezug auf die Informationsverarbeitung über das Ohr setzte er sich schon in den 50er Jahren von der Schulmeinung ab. Wie auch Pioniere anderer Methoden, deren Ansichten gerade nicht zum jeweiligen Weltbild passten, stieß er bei Zeitgenossen seines Standes eher auf Ablehnung. Inzwischen kommen seine Erkenntnisse aber gerade im Bereich neuerer neurologischer Studien zu späten Ehren. Auf seine Arbeit gründet sich die Hörtherapie nach Dr. Tomatis, die sich aktuell u.a. in der Diskussion um die Behandlung von Kindern mit Wahrnehmungsstörungen wieder "Gehör verschafft", aber auch in vielen anderen Bereichen therapeutisch eingesetzt werden kann, etwa bei Tinnitus und Schlafstörungen. Dennoch reagiert die Schulmedizin auch heute auf sein "ganzheitliches Körperbild" zuweilen noch skeptisch. Dort, wo gegenwärtig ein Symptom unter Umständen bei verschiedenen Spezialisten therapiert wird, will es manchmal noch immer nicht so recht ins Weltbild passen, wenn jemand sagt, dass alles miteinander zusammenhängt. Töne als Medizin Dem Hören ist hinsichtlich der Evolution des Menschen eine organisierende Funktion zuzuordnen, denn über das Hören bilden sich erste Bewusstseinsstrukturen aus. Dass Musik eine Wirkung auf den Menschen, insbesondere auf seine Gefühle hat, kann jeder bestätigen. Musik kann uns erfreuen, traurig machen, entspannen oder sogar erschrecken. Musizieren begünstigt die Vernetzung der Gehirnhälften und das fördert wiederum intellektuelle, emotionale und soziale Fähigkeiten. Auch Dr. Tomatis erkannte die Wirkung der Musik und nutzte sie therapeutisch. Kommt es während der Entwicklung des Ohres zu störenden Einflüssen, beispielsweise aufgrund von Konflikten oder Stress der Mutter während der Schwangerschaft, was leider eher Regel als Ausnahme ist, ermöglicht das von Dr. Tomatis entwickelte Hörtraining Heilung, indem durch gezielt eingesetzte und gefilterte Klänge die akustische "Konditionierung" noch einmal nachvollzogen und korrigiert werden kann. Der Mensch - ein Frequenzwesen Wie selbstverständlich sprechen wir davon, dass jemand oder etwas "eine Saite in uns zum Schwingen" bringt. Und wenn jemand "nicht auf unserer Wellenlänge" ist, meinen wir, dass wir mit einem Menschen nicht in Harmonie oder, anders ausgedrückt, nicht in Resonanz sind. Hinter diesen scheinbar so saloppen Umschreibungen des Volksmundes für Sympathie oder Antipathie verbirgt sich jedoch mehr Wahrheit als auf den ersten Blick oder, besser gesagt, auf den "ersten Laut" erkennbar ist. Wer sich noch an den Chemieunterricht erinnert, weiß, dass es unterschiedliche energetische Zustände für Moleküle gibt. Nimmt ein Molekül Energie auf, kann es selbst in einen Zustand höherer Energie übergehen. Die Anregung kann durch Wärme oder Lichtabsorption geeigneter Wellenlänge erfolgen, aber offenbar auch durch die kinetische Energie der Musik. In den Molekülen können die Atome relativ zueinander schwingen, wodurch unterschiedliche Vibrationsenergien möglich sind. Zudem kann das Molekül verschieden schnell um bestimmte Achsen rotieren, also eine unterschiedlich große Rotationsenergie aufweisen. So kommt es, dass Musik niedriger Frequenzen eine andere Wirkung auf den Organismus hat als jene mit hohen Frequenzen. Die Maßeinheit für Frequenzen ist "Hertz", benannt nach dem Physiker Gustav Hertz, der die Anregung von Atomen durch Elektronenstöße untersuchte. Ein Hertz (Hz) entspricht einer Schwingung pro Sekunde. Jedes Atom weist wiederum ein spezifisches Linienspektrum (ähnlich einem Strichcode) auf. Der dänische Physiker N. Bohr erklärte mit Hilfe der Planckschen Quantentheorie, dass die Größe von Energiequanten (Energieinhalten) mit der Frequenz der die Energie "transportierenden" Strahlung zusammenhängt. Die Ohren, wie auch die anderen Sinnesorgane, sind also eine Art "Steckdose" für das Bewusstsein und geben elektrische Impulse sowie Informationen aus der Umwelt an das Gehirn weiter. Töne niedriger Frequenzen dämpfen, während jene höherer Frequenzen die Nervenzellen und somit das Gehirn stimulieren. Erhöhte Aufmerksamkeit besteht erfahrungsgemäß im höheren Frequenzbereich. Wo die Aufmerksamkeit ist, ist die Kraft Letztendlich ist es also eine Frage der Schwingung, wie wir Töne empfinden und ob sie uns lethargisch oder wach sein lassen. Diese Tatsache nutzt die Werbung seit langem, indem in Kaufhäusern gezielt Musik mit einem gleichmäßigen Rhythmus von 72 Schlägen pro Minute, was der durchschnittlichen Pulsfrequenz eines gesunden Erwachsenen entspricht, eingesetzt wird. Auch in den 70er Jahren wurde das Wissen um die Wirkung von Frequenzen schon gezielt zu kommerziellen Zwecken benutzt Discotheken und Discorhythmen "erfunden" wurden mit dem Ziel, Menschen durch niedrige Frequenzen auf körperlicher Ebene "zum Schwingen" zu bringen. Auch auf Konzerten mit Rhythmen im unteren Hz-Bereich lässt sich anhand des Verhaltens der Besuchermassen erkennen, wie schnell eine kollektive Beeinflussung durch "niedrige Schwingungen" erzielt werden kann. Dr. Tomatis ging es jedoch nicht darum, Menschen mittels manipulativer Methoden zu gesteigertem Konsumverhalten oder zum "Erstarren in der Materie" zu bewegen; vielmehr wollte er die Wahrnehmungsleistung der Ohren entscheidend verbessern, um die Kommunikation eines Individuums mit der Umgebung zu optimieren. Er unterschied zwischen "Hören" und "Horchen". Die Möglichkeit des Hörens ist ein passives Phänomen und geht auf eine auditive Funktion zurück. Passiv deshalb, weil es keine Beteiligung des Individuums voraussetzt, ähnlich wie beim Auge, das nicht zielgerichtet sieht, ohne bewusst zu schauen. Das Horchen setzt eine andere Empfangsbereitschaft voraus, nämlich die, bestimmte Klänge wahrnehmen zu wollen. Beim Horchen wird die Aufmerksamkeit auf Klänge konzentriert, also selektiv und bewusst. Die Fähigkeit zum Horchen hängt wiederum eng mit der Motivation zusammen, in Kontakt mit der Welt zu treten und hier wach und präsent zu sein. Entsprechend der Möglichkeiten des menschlichen Ohres können elf Oktaven wahrgenommen werden, die sich über eine Bandbreite von 16 bis 16000 Hz erstrecken. Ab dem Moment, wo das Ohr bereit ist, diese Bandbreite willentlich zu hören, steigern sich die kreativen Fähigkeiten des Hörenden. Die Optimierung des Potenziales zu horchen wirkt sich zudem auf das gesamte Stoffwechselgeschehen, somit auch auf den physischen Zustand des Organismus, aus. Das Hören im Mutterleib Schon unmittelbar nach der Zeugung, ab der ersten Zelle, ist das gesamte Fundament für das genetische Programm angelegt. Bereits in den ersten Tagen nach der Befruchtung bildet sich das auditive Feld heraus. Nach viereinhalb Monaten Schwangerschaft erlangt das Ohr seine endgültige Größe. Es erfüllt während dieser Zeit vor allem seine Aufgabe der Stimulation des sich bildenden Gehirns. Dr. Tomatis war der Ansicht, dass dabei die vom Ohr kommenden Impulse ausschlaggebend für die Strukturierung des Nervensystems sind. Die Qualität dessen, was schon vorgeburtlich akustisch auf das Kind einwirkt, hat in Bezug auf die Bildung der neuralen Struktur entscheidende Auswirkungen auf die spätere Entwicklung des Kindes. Die dominante akustische Bezugsquelle in der pränatalen Phase ist die Stimme der Mutter, die in einer differenzierten Klangqualität wahrgenommen wird. Die Mutterstimme begleitet und umhüllt das Kind die gesamte Schwangerschaft über und kann den Wunsch, in Kommunikation mit der Welt zu treten, entweder unterstützen oder behindern. Dabei werden die Rhythmen der Mutterstimme gleich einem Stempel in das tiefste zelluläre Gedächtnis eingeprägt. In diesem Mikrokosmos gelingt es dabei dem Fetus, eine frequenzielle Selektion zu treffen. Die Schwangerschaft ist daher die sensibelste Phase für die Entwicklung des Kindes. Unruhezustände der Mutter, eine ablehnende Haltung gegenüber dem heranwachsenden Kind, Konflikte mit dem Partner, medizinische Notwendigkeiten, die widernatürliche Maßnahmen erforderlich machen oder aber eine künstlich verlaufende und medikamentös beeinträchtigte Geburt, können massive Auswirkungen auf die spätere Wahrnehmung des Kindes haben. Die Qualität der vorgeburtlichen Kommunikation mit dem Kind spielt daher eine bislang oft unterschätzte Rolle. Das Training Nach einem Anamnesegespräch zu Beginn des Trainings folgt ein Hörtest. Er basiert auf der beim HNO-Arzt eingesetzten Tonschwellenaudiometrie und dient der Ermittlung der Hörschwelle über die Luft- und Knochenleitung für beide Ohren im Frequenzspektrum von 125 bis 8000 Hz. Der Test dient in diesem Fall nicht primär der Feststellung anatomischer Mängel, sondern der Veranschaulichung des Hörwahrnehmungsverhaltens. Das Testergebnis soll Aufschluss über das Kommunikationsmuster auf verbaler und non-verbaler Ebene geben. Das "Nicht-Hören-Wollen" als Abwehr- oder Angstverhalten, die "Ohren auf Durchzug schalten", ist anhand der Hörkurven nach Tomatis-Kriterien ebenso ersichtlich wie manche andere psychische Tendenzen oder Muster sowie das Vermögen zur Differenzierungsfähigkeit. Im späteren Verlauf des Trainings dienen die Ergebnisse weiterer Hörtests als Nachweis für die qualitative Veränderung des Hörverhaltens. Ziele des Hörtrainings sind die Optimierung der Reaktion der Haarzellen im Innenohr, eine gute Abstimmung der Gleichgewichtsorgane aufeinander, eine adäquate Adaption des Mittelohres an die akustische Umgebung und eine günstigere Aktivierung der Hirnrinde, in deren Folge eine bessere auditive Verarbeitung steht. Im Anschluss an die Anamnese und den Hörtest und unter Berücksichtigung des individuellen Problems der Testperson wird ein Therapieprogramm erstellt. Je nach Regulationsbedarf werden im Verlaufe des Trainings unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Das "Instrument" während der Hörphasen ist das "Elektronische Ohr", über das entweder elektronisch veränderte Musik oder die Stimme der Mutter in Richtung Tiefen- oder Höhenbetonung gefiltert wird. Bis zu 4000 Hz ist es dem Gehirn möglich, spezielle Bereiche akustisch zu analysieren und somit zu orientieren. Bei noch höherer Filterung entspricht das Hören der vorgeburtlichen Erfahrung, was aber nicht heißt, dass das Kind im Mutterleib nicht auch tiefere Frequenzen hören kann. Nach Anwendung dieser "Wechselschaltung" über das "elektronische Ohr", die eine Art "Öffnung" der Ohren bewirkt, können sich schon nach wenigen Hör-Tagen Auswirkungen zeigen, wie etwa eine erhöhte Aufmerksamkeit oder auch motorische Reaktionen. Offenbar kommt es zu einer Art Stimulation der Mittelohrmuskulatur. Als günstig haben sich bei der Wahl der Musik Werke von W. A. Mozart erwiesen wie auch Gregorianische Gesänge. Bei Mozart ist eine ideale Ausgeglichenheit zwischen Rhythmus, Harmonie und Melodie gegeben. Gregorianische Gesänge nähern sich dem Atemrhythmus an, der aus einer Folge ungleicher Perioden besteht, ähnlich der Wellen im Meer. Sie wirken daher sehr beruhigend. Meist im etwas späteren Stadium der "Hörkur" kommt die mütterliche Stimme zum Einsatz. Die Geburt als Schwellensituation Die Therapie gliedert sich in Hörabschnitte gefolgt von mehrwöchigen Pausen. Zunächst geht es darum, eine gute Abstimmung beider Ohren aufeinander sowie die Anpassung an das pränatale Hören über eine zunehmend stärker werdende Herausnahme tieferer Frequenzen zu erreichen, Danach erfolgt die Simulation des Hörens im Mutterleib mit Frequenzen oberhalb von 8000 Hz. Die jeweils eingesetzten Frequenzbereiche stützen sich auf die Untersuchungen von Dr. Tomatis. Hier werden insbesondere der Sprachantrieb und die Kreativität angeregt. In der dritten Phase, der "akustischen Geburt" wird die Umstellung des Hörens im Medium "Wasser" auf das Medium "Luft" nachgestellt, indem nach und nach wieder tiefere Frequenzen eingeblendet werden. Dr. Tomatis war der Ansicht, dass die akustische Aktivierung des Gehirns durch die eigene Stimme erfolgt, was nach der Geburt mit dem ersten Schrei des Kindes geschieht. Er konnte sogar nachweisen, dass die eigene Stimme die Hörqualität des Ohres widerspiegelt. Das Hörtraining fördert in einem Regelkreis die Empfindung für den eigenen Ton, die Grundlage für die spätere Differenzierung der Sprache mit ihren spezifischen Merkmalen. In den letzten beiden Phasen geht es mehr um ein konkretes Anwenden, während bei den ersten Phasen eher die unbewusste Haltung gegenüber zum Hören reorganisiert wird. Der erste Hörabschnitt hat eine Dauer von in der Regel fünfzehn Tagen. Diese Kontinuität ist wichtig, um Vorgänge im Gehirn mit Blick auf die Sinneswahrnehmung zu verändern. Bestimmte Informationen, wie in diesem Fall die gefilterten Klänge, müssen über eine bestimmte Zeit regelmäßig angeboten werden. Ähnlich wie bei einem Muskeltraining führt auch hier das stete Üben zum Erfolg. Wie auch bei anderen Prozessen im Bereich der Neuorientierung folgen auf Phasen der Anspannung jene der Entspannung oder anders ausgedrückt auf Phasen der Stimulation wiederum solche der Ruhe, in der die gesetzten Impulse ihre Wirkung im Wechsel von Aufnahme und Integration entfalten können. Es ist ein Lernprozess, bei dem der Körper die Erfahrung macht, auch andere Muster als die erlernten und konditionierten ins Reaktionsrepertoire aufnehmen zu können. Im Einzelfall kann die Hörkur, je nach Anliegen und Problem des Patienten, sicherlich variiert werden, doch üblich ist ein zweistündiges Hören an jedem Tag des jeweiligen Hörblocks. Spätere Hörblocks dauern in der Regel acht Tage. Während der mehrwöchigen Hörpausen bieten die Behandelnden Gespräche zur Begleitung an. Während des Hörens sollten die Patienten weder lesen noch schreiben. Zeichnen, spielen, schlafen oder sogar das Lösen von mathematischen Problemen sind hingegen erlaubt. Grund dafür ist, dass die auditive Stimulation durch das Elektronische Ohr auf den Bereich des Gehirns wirkt, in dem die reflexiven Funktionen angesiedelt sind und nicht die Sprachfunktionen. Eine einseitige Stimulation des Gehirns soll verhindert werden, denn beide Gehirnhälften sind in das Training einbezogen. Die Tomatis-Gesetze Dr. Tomatis stellte aufgrund seiner Forschungsergebnisse Thesen auf, die noch heute im Kontext des Hörtrainings als "Tomatis-Gesetze" gültig sind:
"Die Stimme enthält als Obertöne nur die Frequenzen, die das Ohr auch hört." "Gibt man dem Ohr die Möglichkeit, nicht mehr oder nicht gut wahrgenommene Frequenzen wieder korrekt zu hören, so erscheinen diese augenblicklich und unbewusst wieder in der Stimme." "Die über eine bestimmte Zeitdauer wiederholte akustische Stimulation führt zur endgültigen Veränderung des Gehörs und folglich der Phonation." Die Länge des Tomatis-Hörtrainings beläuft sich meist auf insgesamt sechs Monate vom ersten bis zum letzten Hörblock. Ziel ist die möglichst schnelle Hinführung zur besseren Selbstwahrnehmung. Weltweit gibt es mehr als 150 Institute, die dem offiziellen Tomatis-Netzwerk angehören. Die Gesellschaft Tomatis Developpement SA garantiert die sachgemäße Anwendung der Methode für ihre Mitglieder. Das Trainingsprogramm zum Erlernen und späteren Anwenden richtet sich nicht ausschließlich, jedoch vorwiegend an Berufe aus dem medizinischen, alternativmedizinischen, linguistischen und künstlerischen Bereich. Die Tomatis-Hörkur kann eine sinnvolle Ergänzung anderer Therapien darstellen bzw. deren Effizienz erhöhen, etwa einer Psychotherapie oder -analyse. Gerade weil die Tomatis-Methode von Angehörigen unterschiedlicher Berufe angewendet wird, mag im Einzelfall eine psychotherapeutische Begleitung sogar zu wünschen oder zu empfehlen sein, wenn nämlich bei Patienten durch das Hören traumatische Erfahrungen berührt werden und gewährleistet sein muss, dass Abwehrreaktionen professionell aufgefangen werden. In diesem Fall wird ein gewissenhafter Tomatis-Therapeut nach Feststellung des Problems zur Konsultation eines weiteren Therapeuten raten, sofern er selbst nicht in der Lage ist, den Patienten angemessen zu begleiten. Geist und Materie Angesichts der Erkenntnisse von Dr. Tomatis und der Erfolge seiner Therapie befremdet es beinahe, dass der therapeutische Einsatz von Musik nicht bereits zum Standardprogramm der Leistungen der Krankenversicherungen gehört. In einer Zeit, in der die Menschen nahezu permanent meist ungesuchten visuellen und akustischen Reizen ausgesetzt sind, gewinnen auch die Erkenntnisse von Dr. Tomatis wieder mehr an Bedeutung und werfen die Frage auf, ob eine "klangvolle Alternative" den Griff zur Pille nicht hin und wieder ersetzen kann. In der Bhagavad-gita 6.5-6 heißt es: "Man sollte sich mit Hilfe seines Geistes befreien und nicht erniedrigen. Der Geist ist der Freund der Seele, aber auch ihr Feind. Für den, der den Geist unter Kontrolle hat, ist der Geist der beste Freund; doch für den, der dies versäumt hat, bleibt der Geist der größte Feind." Da die menschliche Existenz durch den Geist erschaffen ist, bestimmt auch der Geist, auf welcher Frequenz wir leben und nach dem Tod erwachen, nämlich in dem Bereich, auf den wir unsere überwiegende Aufmerksamkeit und Konzentration gerichtet haben - auf niedrige (materielle) oder höhere (geistige) Frequenzen. Diese Entscheidung also liegt weitgehend beim Menschen selbst. Die Tomatis-Methode unterstreicht die Bedeutung pränataler Erfahrungen und besonders pränataler Kommunikation für die menschliche Entwicklung. Dipl.-Psychologin Ingrid Rottke aus Bremen, Analytikerin für Kinder und Jugendliche, äußert sich zu dem Kontakt zwischen Eltern und Kind vor der Geburt: Was Dr. Tomatis schon vor Jahrzehnten erkannte, bestätigen neueste Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften und pränatalen Psychologie auf eindrucksvolle Weise. Nicht nur die psychische menschliche Entwicklung beginnt im Mutterleib, sondern auch die emotionale und intellektuelle. Die vorgeburtliche Phase prägt ganz fundamental unser Lebensgefühl. Das wird mir in meiner psychotherapeutischen Arbeit mit Kindern und Eltern immer wieder deutlich. Ob ein Kind zum Glücklich- oder Traurigsein neigt, zu Aggression oder Passivität, zu Selbstzufriedenheit oder Unsicherheit, hängt zum großen Teil davon ab, welche Botschaften es im Mutterleib empfängt. Häufig lässt sich ein Zusammenhang feststellen zwischen den Gefühlen der werdenden Mutter, dem Verlauf der Geburt, der Babyzeit und der emotionalen Entwicklung des Kindes. War zum Beispiel die pränatale Situation durch Spannungen in der Partnerschaft belastet, so dass sich die werdende Mutter emotional isoliert fühlte und die Schwangerschaft als eine Zeit der Selbstdurchsetzung und Abgrenzung vom Partner erlebte, lässt sich beim Kind oftmals eine Haltung der Welt gegenüber beobachten, die genau dieses Empfinden der Mutter während der Schwangerschaft widerspiegelt. Das Kind erlebt die Welt als bedrohlich, wird überdurchschnittlich schnell selbstständig, fühlt sich schnell als Einzelkämpfer, ist bemüht keine Schwächen zu zeigen u.ä.m.. Die Folgerung aus diesen Erkenntnissen kann nicht sein, Müttern noch mehr Verantwortung und entsprechend Schuldgefühle aufzubürden; es geht vielmehr darum, präventiv etwas für die seelische Gesundheit unserer Kinder zu tun. Junge Menschen sollten auf Elternschaft vorbereitet werden, um sich ganz bewusst dieser Aufgabe stellen zu können. So könnte die Zeit der Schwangerschaft dazu genutzt werden, die Kommunikation zwischen Eltern und ihrem ungeborenen Kind zu fördern. Es ist ein intensiver Austausch möglich, der sehr selten stattfindet. Der pränatale Dialog ist für das Baby die beste Voraussetzung, Urvertrauen und eine sichere Bindung zu entwickeln. Durch diese Hinwendung der Eltern zum Kind kann sich das Kind von Anfang an in seiner Existenz bewusst wahrgenommen und bestätigt fühlen. Auf diese Weise ist schon vor der Geburt das Fundament gelegt für das Vertrauen des Kindes in sich selbst und die Welt. Bei näherer Betrachtung beinhaltet das "Expertenwissen" vieles von dem, was Frauen und Männer intuitiv immer schon wussten und im Umgang mit ihren Kindern angewendet haben. Leider scheint ein Großteil dieses intuitiven Wissens in einer von Wissenschaft und Technik dominierten Zeit abhanden gekommen zu sein. Eine Vorbereitung auf Elternschaft, wie ich sie für notwendig und wünschenswert halte, heißt demzufolge auch, Mütter und Väter zu unterstützen, den Zugang zu verschüttetem Wissen wiederzufinden. Der Artikel umfasst ca. 22.000 Zeichen und erschien im Mai 2006 in der "Natur und Heilen"Copyright Beate Wiemers |
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