Wellness


Kräfte sammeln, Kraft schöpfen

Wellness für Frauen: der Weg zu mehr Lebensfreude

In einem gesunden Körper ruht ein gesunder Geist, - das wussten schon die alten Römer. Der heutige Zeitgeist spricht von Wellness und Fitness als Balsam für die Seele und Voraussetzung für Vitalität. Doch bleibt neben dem Balanceakt zwischen Familienmanagement und Job noch Zeit für Sport, Meditation oder Muße?

Von Beate Cotok

„Ich fühle mich wie eine Formel 1-Rennfahrerin, die Runde um Runde im Rennen bleiben muss, ohne auftanken zu können!“ Originalton meiner Freundin Hanna, alleinerziehende und berufs-
tätige Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern. „Fitness? Daran ist nicht zu denken, - wann denn? Mein Bedarf an Bewegung ist durch den täglich Marathon von Termin zu Termin gedeckt“, so sagte sie vor gut einem Jahr.

Wie Hanna geht es vielen. „Meine Gedanken laufen immerzu weiter und sogar, wenn ich denke, entspannt zu sein, bin ich es nicht.“ Aussagen dieser Art hört man immer häufiger aus dem Mund von Frauen.

Der Alltag ist straff organisiert, Verschnaufpausen sind rar, und manchmal ist nicht einmal ein Partner da, an den Aufgaben delegiert werden können. Da kann die Lebensfreude zuweilen schon getrübt werden. Lebensfreude, - das ist das Zauberwort! Oft ist sie nur blockiert, ruht irgendwo und möchte geweckt werden! Gemeint ist nicht die Freude über den ersten Zahn des jüngsten, den gelungenen Theaterauftritt des mittleren oder den Einser in Mathe des ältesten Kindes. Die Rede ist davon, sich im Alltag eine Quelle ganz persönlicher Entfaltungsmög-
lichkeiten zu schaffen und regelmäßig Bestandteil des Tages werden zu lassen.

Warum ist es wichtig, nicht nur den Körper, sondern auch den Geist und die Seele
„fit“ zu halten?

Der Mensch besteht aus den drei Komponenten Körper, Geist und Seele, die sich wechselseitig beeinflussen. Kommt eine davon zu kurz, wirkt sich das Defizit auch auf die anderen Bereiche aus. Die Harmonie ist gestört und der stete Energieverlust sucht sich möglicherweise Ausdrucksmöglichkeiten auf der körperlichen Ebene: Chronische Erschöpfungszustände, Spannungs- und Migränekopfschmerzen sind ebenso weit verbreitet, wie Magen- und Rückenschmerzen, um nur einige der somatischen Auswirkungen zu nennen, die sich einstellen können, wenn die Anforderungen des Alltags erdrückende Formen annehmen.....

Der gesamte Artikel umfasste ca. 9000 Zeichen und erschien in »mobile« 6-7/2000, HERDER, Freiburg


Burnout in der Tagespflege

Wenn Erschöpfung zum Dauerzustand wird

Der Begriff „Burnout“ beschreibt einen Zustand des permanenten Ausgebranntseins
und wird als Symptom in der Regel Frauen zugeschrieben, obwohl Männer ebenso zu den Betroffenen gehören können. In Bezug auf die Tagespflegesituation sind es jedoch vorrangig Tagesmütter, die über chronische Erschöpfung klagen, schon weil sie prozentual gegenüber den Tagesvätern überwiegen.

Von Beate Cotok

„Ich mag meinen Beruf, weil ich schon immer gerne etwas mit Kindern gemacht habe, aber oft kann ich einfach nicht mehr. Für mich selbst bleibt kaum Zeit!“ klagte Anja B. aus Darmstadt noch vor einigen Monaten. Seit zwei Jahren betreut sie zwei Kinder als Tagesmutter. Nachdem ihre eigenen Kinder in die Schule gekommen waren, stellte sich für Frau B. die Frage nach einer beruflichen Neuorientierung. Als gelernte Erzieherin hatte sie eine gute Basis für eine Tätigkeit als Tagesmutter, zumal sie gerne weiterhin tagsüber zu Hause sein wollte, um notfalls auch für ihre eigenen Kinder präsent sein zu können.

Die beiden Tageskinder stammen aus unterschiedlichen Familien und werden beide schon morgens um kurz nach 8.00 Uhr gebracht. Bis dahin ist Anja B. schon eine Weile auf den Beinen. Kaum sind die eigenen Kinder aus dem Haus, klingelt es an der Tür und Tageskind Nummer 1, Laura, wird gebracht. Szene im Treppen-haus: Laura hat schlechte Laune und will ihre Mami heute nicht gehen lassen! Die Tagesmutter gibt sich gelassen, um die Situation zu entschärfen und die Ablösung zwischen Mutter und Kind nicht problematischer zu machen. Und kaum ist Laura´s Mama aus dem Blickfeld, lacht das Kind und alles ist in Butter. Da klingelt es schon wieder und Tageskind Nummer 2, Lennard, kommt. Der kann es immer gar nicht abwarten, mit Laura zusammen in der geräumigen und kindgerechten Wohnung zu spielen.

Erst jetzt kommt die Tagesmutter aus Darmstadt dazu, sich selbst an den Frühstückstisch zu setzen, doch die nötige Ruhe dazu fehlt zumeist, denn obwohl die beiden Tageskinder sich ganz gut vertragen, können sie nicht sich selbst überlassen werden und als engagierte Tagesmutter gibt sich Anja B. viel Mühe, den Kindern mit Basteleien, Geschichten und Malen Anregungen zu bieten. Laura und Lennard brauchen noch viel Unterstützung beim „Zum-Klo-Gehen“ und manchmal geht auch etwas daneben. Wenn´s an die frische Luft geht, dauert es eben auch, bis die beiden angezogen sind. „Die Kinder kommen gerne zu mir und ich freue mich auch über die Lebendigkeit in unserem Heim, aber manchmal wünschte ich, der Tag wäre doppelt so lang. Schließlich sollen meine eigenen Kinder auch nicht zu kurz kommen!“

Neben der alltäglichen Hausarbeit, den Einkäufen und anderen notwendigen Tätigkeiten multipliziert sich die Kinderbetreuung mit dem Faktor vier.

Zum alltäglichen „In-der Pflicht-sein“ gesellt sich zuweilen noch ein wenig Frust darüber, dass der Beruf „Tagesmutter“ gesellschaftlich unterschätzt wird. Tageseltern übernehmen viel Verantwortung. Sie ersetzen nicht nur stundenweise die eigenen Eltern der Kinder; nicht selten stellen sie durch ihre neutralere Stellung auch ausgleichende Pole dar, wenn zwischen Tageskindern und deren Eltern Konfliktsituationen bestehen. Fingerspitzengefühl, Diplomatie und die Bereitschaft zur Auseinandersetzung sind Anforderungen, die Tageseltern bewältigen müssen. Die Betreuungskinder haben Bedarf an Zuwendung und hin und wieder ist ein schlichtendes Wort nötig, wenn sich die Kinder untereinander zanken. Alles zusammen ist anstrengend, besonders dann, wenn sich das Leben der Tagesmütter beinahe ausschließlich um die eigene Familie und die Tageskinder dreht. Da kann es leicht passieren, dass eigene Bedürfnisse nicht mehr wahrgenommen werden.....

Der gesamte Artikel umfasste ca. 10000 Zeichen und erschien 08/2003 in ZeT, FRIEDRICH-VERLAG, SEELZE

Copyright Beate Wiemers
(alle hier aufgeführten Textauszüge)